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Tour nach Ohiya
Am 18. März war es mal
wieder soweit: Ich folgte dem Ruf der Berge Sri Lankas.
Aus meinem Basislager in
Mount Lavinia sollte mich meine Bajaj 100 Richtung Horton Plains und Worlds End
tragen. Von Colombo ging es zunächst südwärts über Moratuwa nach Panadura, wo
ich meinem Pferd noch ein wenig Super gab. Es ist schon irre, wie wenig diese
Dinger verbrauchen. Selbst bei sportlichem Fahrstil und dem typischen
Gas-Bremse-Durchschlängeln auf den wimmelnden Straßen der Hauptstadt komme ich
einfach über 2,5 l nicht hinaus. Fährt zwar kaum schneller als 80, aber die
kann und darf man in Sri Lanka sowieso nur selten überschreiten. Und beim
Ampelstart kann die Bajaj locker mit allen Gefährten mithalten und sich
gegenüber den Bussen etwas Luft verschaffen.
In Panadura ging es von der
Küstenstraße A2 auf die A8, die für ca. 25 km schon toll ausgebaut ist,
allerdings noch mit einigen Baustellen durchsetzt. Kurz hinter Ingiriya sah ich
eine riesige Halle mit dem Schild „Bodyline“ und einem großen Menschenauflauf.
Dachte natürlich sofort an einen Klamotten-Outlet. Leider Fehlanzeige, Outlet
für Haushaltswaren und Geräte aller Art. Offenbar witterte man aber sofort
einen Investor oder potentiellen Großkunden in mir, denn prompt erhielt ich
eine Betriebsführung, ausnahmsweise sogar kostenlos. Und ich fand ein echtes
Musterwerk vor mit fast deutscher Ordentlichkeit! Es geht also. Auf die recht
schmucke Kantine hatte ich allerdings keine Lust, denn dort war es voll wie bei
IKEA am Samstag. Eine richtige Entscheidung, denn den Lunch gab es dann an
einer weit idyllischeren Stätte, nämlich im Wijaya Holiday Resort ein paar km hinter Madala.
Das gepflegte Hotel ist gut
ausgeschildert, von der Straße weg geht es noch mal steil bergauf durch einen
kleinen Teehügel und dann ist man wirklich in einer grünen Oase mit eigenem
Pool, Sportanlagen und tollem Panoramablick. Das Hotel ist besonders stolz auf
seinen eigenen kleinen Wasserfall. Küche lecker, Zimmer okay und über 38 $ für
das Doppelzimmer mit Vollpension und AC kann man nicht meckern. Ein perfekter
Zwischenstopp für mich und bei Touren in die Berge sehr zu empfehlen.
Doch zurück auf die Straße,
die nun leider dem Biker wenig Freude
macht: schmal, bucklig, holprig, viele Baustellen und sehr enge Kurven. Doch
nach der Edelstein-Hochburg Ratnapura geht es auf die A4 und die ist ideal für
Motorradtouren: sehr breit, Standspur, Mittelstreifen und so smoooth. Der
Verkehr lässt nach Balangoda noch mal deutlich nach und die Szenerie ist
herrlich. Durch die weiten Serpentinen schlängelte ich mich auf der Bajaj
schnell nach Belihul Oya, wo ich zum
Übernachten das Water Gardens empfehlen kann (nicht verwechseln mit dem River
Garden, das vor der Brücke über den Belihul Oya liegt).
Aber heute wollte ich noch
höher hinaus bis nach Ohiya. Dazu bog ich in Kalupahana links auf eine winzige
Straße ab und meine Odyssee begann erst richtig! Denn nach 2-3 km ist Schluss
mit Asphalt und es geht über Stock und Stein. Armes Motorrad! Sehr freundliche
Anwohner sagten mir, ich solle weiterfahren zur Worlds End Lodge. Trotz ernsthafter Bedenken, dass die Lodge in
ähnlichem Zustand wie die „Straße“ wäre, holperte ich weiter steil bergan. Nach
einigen hundert Metern Steinbruch gab es dann wieder festen Belag und einige
Hinweisschilder ermunter ten mich, dass ich gleich am Ziel sei. Nach einem
letzten sehr steilen Anstieg war es dann geschafft und die Lodge versetzte mich
in Entzücken.
Ich glaube es gibt keine
andere Unterkunft in ganz Sri Lanka mit einer solch traumhaften,
atemberaubenden Lage. Fernab von Straßenlärm und –staub sitzt man auf einer
riesigen Rasenterasse inmitten der Berge auf den gemütlichen srilankischen
Liegestühlen. Man hört nichts mehr außer Naturgeräuschen, atmet frische Luft
und genießt die angenehme Kühle der Berge. Dazu gibt es einen von Quellwasser gespeisten
großzügigen Pool. Die Zimmer sind einfach ausgestattet, aber sauber und es gibt
heißes Wasser. Für das Einzelzimmer mit Halbpension zahlte ich 17 $. Ein
perfekter Platz für ein paar Tage Naturgenuss und Ruhe.
Nur der Name „Worlds End
Lodge“ ist etwas irreführend- doch dazu später mehr.
Am nächsten Morgen sprang
ich um 6 aus den Federn und nach einigen Orientierungsschwierigkeiten fand ich
den schmalen, verwilderten Pfad Richtung Ohiyaund Horton Plains. Nach gemütlichem Beginn wird der Aufstieg immer
beschwerlicher, zum Ende hin braucht man viel Energie, denn es geht sehr steil
bergan und der „Weg“ verschwindet schon mal. Nach 1,5 h lag dann Ohiya vor mir.
Ein kleines Nest, das vor allem von seiner Teefabrik und Gemüseanbau lebt. 
Freundlich wurde ich von den Einheimischen begrüßt und zur Mitfahrt nach Horton
Plains eingeladen. Erst dort erfuhr ich, dass es bis Worlds End immer noch 15
km!! sind. Das erschien mir für diesen Tag zu weit und ich entschied mich zum
Umkehren. Nachdem ich noch einige Impressionen des winzigen Bergdorfes in mich
aufgenommen hatte, versuchte ich es mit Trampen und kurz darauf saß ich wieder
auf einem Motorrad. Wie gesagt: Man findet in den Bergen sehr viele
hilfsbereite Menschen, die noch nicht vom Tourismus verdorben sind. Nur leider
brachte mich mein Bikerkollege nicht zur Worlds End Lodge, sondern er fuhr
tatsächlich Richtung Worlds End. Nach 5-6 km hielt er an einer Kreuzung. Er
müsse nach Boralanda, doch von hier seien es bis Horton Plains/Worlds End „nur“
noch 8 km. Uups!

Da stand ich nun so „kurz“ vorm Ziel, wusste aber, dass es zu
Fuß heute nicht mehr zu schaffen wäre, denn es hätten ja auch noch 15 km
Rückweg auf mich gewartet. Mein Anhalterglück hatte mich leider verlassen, kein
Trip nach oben.
Next time!! Schade. Aber
zumindest wusste ich nun, dass man Horton Plains/Worlds End über Haputale und Boralanda anfahren bzw. mit
dem Zug am Bahnhof von Ohiya aussteigen und dann per Tuktuk, Jeep etc.
weiterfahren muss. Nun hieß es für mich also „Gehe zurück auf Los“. Und das
erste Motorrad Richtung Ohiya hielt auch tatsächlich wieder an.
Erleichterung!! In Ohiya
hatte ich noch eine nette Begegnung mit einem Arbeiter aus der Teefabrik.
Nachdem er mich auf einen Tee eingeladen hatte, führte er mich durch das Dorf
wieder auf den richtigen Weg zurück. Zuvor gab es noch ein lustiges
Fotoshooting mit den 10 Kindern der Großfamilie. Ich kann es nur noch mal
sagen: Ich habe in dieser kurzen Zeit eine ursprüngliche Gastfreundschaft
erlebt, die an der Küste oder gar in Colombo selten ist.
Wenn dir dort jemand
„hilft“, kann man zu 90 % auf die Frage nach „a little money“ warten.
Bedauernswert ist die Armut
der Menschen in den Bergen, die im Monat kaum mehr als 50 € in der Teefabrik
oder als Pflückerin verdienen.
Nach einem nicht minder
schlauchenden Abstieg war ich nach 45 Minuten wieder in der Lodge, wo natürlich
der Pool mein erstes Ziel war. Herrliche Erfrischung nach 5h Bergwandern und Odyssee
in praller Sonne und ein wundervoller Abschluss von Teil 1 meines Tagespensums.
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Teil 2 Bambarakanda-Wasserfälle folgt
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