Regierung von Sri Lanka unter internationalem Druck

Menschenrechte unzureichend gewährleistet

 

Nachdem die EU die LTTE (Tamil Tigers) Anfang des Jahres als Terrororganisation eingestuft hatte, atmete man in Colombo zunächst auf und fühlte sich im unerbittlichen Kampf gegen die Tiger bestätigt. Nun jedoch gerät die singhalesische Regierung unter Präsident Rajapakse zunehmend selbst in die Schusslinie der Kritik aus dem Ausland. Auslöser waren 3 Ereignisse im November, die die Menschenrechtssituation im Land in einem düsteren Licht erscheinen lassen.

Während der Gesandte der UN für „Kinder in bewaffneten Konflikten“ Allan Rock zu einer Aufklärungsmission im Land weilte, wurde zunächst ein Flüchtlingscamp in Vakarai von der Luftwaffe bombardiert. Man hatte angenommen, dass sich dort Guerillas versteckt hielten und von dort aus operierten. Schreckliche Bilanz: 50 Tote und mehr als 100 Verletzte, viele von Ihnen unschuldige Frauen und Kinder. Bereits in der Vergangenheit war Sri Lanka mehrfach für solche

„Irrtümer“ mit hohen Opferzahlen hart kritisiert worden. Kurz darauf wurde der tamilische Oppositionspolitiker und Parlamentsmitglied Raviraj in seinem Wohngebiet auf offener Straße erschossen. Diese Gegend gilt als Hochsicherheitszone und es gibt Vermutungen, dass der Politiker wegen seiner heftigen Kritik an der Regierung ermordet wurde. In diesem Fall wird noch von Scotland Yard ermittelt. Die Bombe platzte aber endgültig, als Botschafter Rock Bilanz seines Kontrollbesuches zog: Es gäbe handfeste Beweise dafür, dass nicht nur die tamilische LTTE Kinder als Soldaten missbrauche, sondern dass auch die Karuna-Gruppe (tamilische militante

Gegenbewegung zur LTTE) solche Verbrechen begingen und dies mit Unterstützung bestimmter Kreise der Armee von Sri Lanka!! Dies wurde zwar von der Regierung heftig bestritten, aber keinesfalls widerlegt. Das Dementi klang sehr angefressen, aber wenig substantiell nach dem Motto: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Der Präsident selbst, der gerade seinen 1.Jahrestag im Amt beging, soll außer sich gewesen sein. Nun soll Rocks Bericht im Januar dem

UN-Sicherheitsrat übergeben werden. Sri Lanka könnte sich zunehmend international isolieren, wenn nicht glaubhafte Maßnahmen zur Aufklärung und Beseitigung eklatanter Menschenrechtsverletzungen im Land ergriffen werden.

Umgehend zeigte auch das große Nachbarland Indien, traditionell an der Seite der Tamilen, die gelbe Karte: der ethnische Konflikt im Land wäre militärisch nicht zu lösen, sondern müsse im Rahmen eines einheitlichen, aber föderalen Sri Lanka gelöst werden. Eine wirkliche Machtteilung sei dafür unablässig. Gespräche zwischen Delhi und Colombo auf höchster Ebene sind anberaumt.

Bezeichnend für die unbefriedigende Situation auf der Insel ist auch ein Interview, das die frühere srilankische Präsidentin Chandrika Bandaranaike Kumaratunga dem „Sunday Leader“ am 12.11.2006 gab. Sie beklagt, dass nach der Machtübernahme durch Rajapakse zunehmend radikale Kräfte Einfluss gewonnen haben. Dadurch wäre auch der Friedensprozess im Land torpediert worden und altes Denken über die Lösung des ethnischen Konfliktes hätte wieder Einzug gehalten. Sie selbst, Kumaratunga, fühle sich nicht sicher und willkommen im Land. Mehrfach sei sie öffentlich und inoffiziell vom Präsidenten und seinem Stab brüskiert und verunglimpft worden.

 

Auch die Menschenrechtsorganisation „Human Right’s Watch“ schlägt Alarm. Der ranghohe Vertreter der Organisation, James Ross schrieb dazu am 19. November 2006: „Wir hoffen das die Regierung von Sri Lanka sofortige Maßnahmen ergreift, diesen tragischen Missbrauch zu beenden und diese Kinder (Anm.: die als Soldaten rekrutiert wurden) sicher zu ihren Familien zurück zu bringen.“ Er äußerte große Zweifel am Willen des Staates, Menschenrechtsverletzungen aufzuklären. Zwar würden immer wieder Sonderkommissionen gebildet, aber die Vergangenheit hätte gezeigt, dass sich die Ermittlungen ewig hinzögen und letztlich im Sande verliefen. Der Zeugenschutz sei unzureichend, Zeugen müssten mit heftigen Repressalien rechnen. Ross forderte eine ständige internationale Überwachung der Menschenrechte in Sri Lanka. Für den Fall weiterer Verstöße müsse man über Sanktionen gegen das Land wie Handelsembargos, Einfrieren von Bankkonten, Stopp von Waffenlieferungen) nachdenken.  Auch Amnesty International hält sofortige internationale Kontrolle und Aufklärung für dringend notwendig, um eine weitere Verschlimmerung zu verhindern.

Mit Spannung darf auch dem Besuch von Manfred Nowak, Berichterstatter der UN-Kommission gegen Folter vom 27.1. bis 2.2.2007 entgegen gesehen werden.

 

27.11.06