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Sri Lanka: Es war einmal ein
Waffenstillstandsabkommen…
Bilanz nach 5 Jahren
Im Februar 07 jährte
sich zum 5.Mal das Waffenstillstandsabkommen zwischen der Regierung Sri Lankas und der LTTE, den so genannten Tamil
Tigers. Nach 20 Jahren blutiger Auseinandersetzung mit rund 60.000 Opfern und
geschätzten 1 Million Flüchtlingen war dies ein Ereignis, dass Anlass zu neuer
Hoffnung für das Land gab. Und tatsächlich kam es vor allem in den tamilischen
Gebieten im Norden und Osten zu einer Wiedergeburt: In nur 3 Jahren verdoppelte
sich das Bruttosozialprodukt im Osten und im Norden vervierfachte es sich
sogar.
Fast das gesamte Land
konnte bereist werden, Trincomalee und
Batticaloa waren wieder offen, die Traumstrände im Osten hatten wieder Besucher.
Doch vor allem die Menschen dort konnten wieder ein annähernd normales Leben
führen. Hierzu sei bemerkt, dass es im
Norden und Osten durch die andauernden Kampfhandlungen, Übergriffe und
Anschläge die überwiegende Anzahl von zivilen Opfern gegeben hatte, neuerdings
ja auch zynisch als Kollateralschäden bezeichnet.
Doch die Hoffnung
währte nur gut 3 Jahre. Nach einem Regierungswechsel im November 2005 und dem
Amtsantritt von Präsident Mahinda Rajapakse verhärteten sich die Fronten.
Wurden vorher gelegentliche Provokationen der Tiger ehr defensiv beantwortet,
ging es jetzt wieder nach dem Motto: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die Attacken
der Tiger, die ihnen Anfang 2006 auch die Ächtung als terroristische
Organisation durch die EU einbrachte, wurden massiv durch die srilankische
Armee beantwortet und Vergeltung geübt. Es kam zu mehreren großen, heftigen und
tagelangen Kämpfen zu Land und zu Wasser, speziell in Mavilaru, Muttur, Jaffna
und Sampur.
Nach anfänglichen
Schwierigkeiten gewann die Armee zunehmend die Überhand.
Ein wichtiger Sieg
gelang ihr zuletzt in Vakarai. Am 19. Januar 2007 wurde diese Hochburg der LTTE
eingenommen. Insgesamt kamen seit Beginn der Feindseligkeiten (Dezember 2005)
2254 Rebellen ums Leben, während es auf Seiten der Sicherheitskräfte 1697 Opfer gab.
Auch wenn dies kein
so riesiger Unterschied ist, so darf man doch davon ausgehen, dass die LTTE
aufgrund ihrer deutlichen zahlenmäßigen Unterlegenheit (nur 5000 bis 10000
Kämpfer ??)
wesentlich stärker
getroffen ist, zumal sie wichtige Stellungen aufgeben musste.
Tatsächlich haben die
terroristischen Aktivitäten seitdem auch merklich nachgelassen!!
Wahrscheinlich müssen
sich die Tiger erst wieder sammeln, auf jeden Fall ist es merkwürdig ruhig
(relativ) im Land.
Spricht man mit
Singhalesen, so gehen viele davon aus, dass bis Ende 2007 das Problem gelöst
ist. Hierzu zunächst: das größte Problem kann nicht mehr gelöst werden, denn
neben den Kämpfern auf beiden Seiten starben auch fast 1000 Zivilisten!! Für
all die Opfer kommt jede Lösung zu spät. Hinzu kommen 200.000 Menschen, die
flüchten mussten und nun in Lagern mit ungewisser Zukunft hausen.
Doch zurück zur
„Lösung“: Hier zeigt die Geschichte weltweit und auch die Sri Lankas vor dem
Waffenstillstand, dass es gegen Terrorismus keinen absoluten Schutz gibt.
Vielleicht kann man ihn eindämmen, aber selbst einem reichen, bestens
ausgerüsteten Land wie Israel gelingt dies nicht vollständig. Oder blicken wir
auf den desolaten Irak, wo die mächtigste Armee der Welt auch nur zusehen kann,
wenn es täglich knallt.
Trotzdem habe ich die
Hoffnung, dass die momentane, ruhigere Lage Bestand hat, vor allem die Tiger
aufgrund Ihrer starken Verluste etwas weniger aktiv sein können.
Vielleicht kommt es
ja auch zum immer wieder herbeigeredeten Aufstand der Tamilen selbst gegen die
LTTE, nicht zuletzt wegen des fortgesetzten Missbrauchs von Kindern als
Kanonenfutter. Vielleicht…hoffentlich….Nur wenn sich auch auf tamilischer Seite
Kräfte durchsetzen, die letztlich für eine föderale Lösung in dem einen Staat „Sri
Lanka“
Eintreten, kann ein
Ausweg gefunden werden. Freilich wird es dann wieder eng für die Administration
in Colombo, denn wie viel Selbstbestimmung wird man den Tamilen zugestehen??
Einflussreiche
nationalistische Kräfte unter Führung der JVP (siehe Geschichte) sind da nicht
sehr großzügig.
Abschließend noch
eine Zahl: Nach Berechnungen des Friedenskomitees des Landes hat der
Bürgerkrieg bisher 2451 Mrd. Rupien gekostet, also 17,5 Mrd. Euro. Das entspricht 2-3 mal dem Staatshaushalt eines Jahres.
Quelle: Sunday
Leader, 11.2.2007
Entführungen und Menschenrechte
2006
In Ergänzung hier noch
die Zahlen von Human Right’s Watch betreffend Menschenrechtsverletzungen in Sri
Lanka 2006:
Spurlos
verschwunden 95
Von der LTTE
entführt 15
Arrestierungen 448
Folter 528
Getötet 19
Massiv schikaniert 366
Man geht davon aus,
dass pro Tag 3 Menschen „verschwinden“. Im Sunday Leader vom 11.2.2007 wird der
Fall von 3 gewerkschaftsnahen Journalisten beschrieben. Diese wurden am 5.2.07
arrestiert. Daraufhin fragte die Familie bei der lokalen Polizeistation nach.
Diese wusste nichts von der Sache. Bei der Verhaftung wurde einer Ehefrau
gesagt, ihr Mann wäre vom CID (Sicherheitsdienst der Regierung) verhaftet
wurden. Auf Anfrage teilte der CID mit, man wisse nichts von den
Arrestierungen. Doch trotz dieser Dementis, und nun kommt es, präsentierte die
Regierung (deren Organe doch keine Ahnung hatten) am nächsten Tag die
„Geständnisse“ der drei auf Video, aufgenommen an einem unbekannten Ort von
anonymen Personen. Alle 3 Häftlinge wirkten äußerst angespannt und
eingeschüchtert.
Ich erspare mir jeden
weiteren Kommentar zur Art und Weise, wie verhaftet und „befragt“ wurde. Für
großen Wirbel sorgte der Fall einer jungen Journalistin, die monatelang beim
CID eingesperrt war, ohne jemals einem Richter vorgeführt worden zu sein. Der
bloße Verdacht, die LTTE zu unterstützen, reichte aus. Wie heißt der
amerikanische Stützpunkt auf Kuba???
Dialog macht in TV
Der große srilankische
Mobilfunkanbieter Dialog GSM (Tochter von Telekom Malaysia) hat seit kurzem
auch eine Fernsehsparte. Landesweit wird ein Satellitenprogramm mit über 30
Kanälen ausgestrahlt, darunter CNN, A1, AXN, Cartoon Networks, Nickelodeon,
Animal Planet, Star Sports, BBC usw. Nach meinen Informationen gibt es ein
Paket mit Schüssel und Receiver für rund 100 €, monatlich zahlt man 10-20 Euro
je nach Umfang. Leider wieder nix deutschsprachiges…
Dialog hat mehr als 3,2
Mio. Handykunden in Sri Lanka.
HSBC nun mit
Telebanking
Nun gut, Sri Lanka ist
nicht unbedingt ein Paradies für Bankdienstleistungen. Online-Banking gibt es
meines Wissens gar nicht oder in einem minimalen Ausmaß. Immerhin bietet HSBC
seinen Kunden nun schon kostenloses Telefonbanking an. Bei allen großen
Telefongesellschaften sind Hotlines geschaltet. Man gibt an, bereits „eine
signifikante Anzahl von Kunden“ in dieser Sparte zu haben. Sicher keine
Wahnsinnszahl, aber immerhin. Weiter so! HSBC ist auch Marktführer bei
Kreditkarten in Sri Lanka mit 250.000 Stück Plastikgeld.
Quelle: Sunday Leader,
11.2.2007
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