Sri Lanka Politische Situation und Geschichte/Sicherheit (20.09.06)
Ich möchte hier keinen langatmigen Text über die Geschichte verfassen, hierzu finden Sie
viele Informationen unter Sri Lanka: Literaturtipps und Links
Vielmehr werde ich versuchen, meinen individuellen Eindruck davon wiederzugeben, wie sich für einen Touristen die Situation vor Ort darstellt.
Seit Beginn 2006 häufen sich die Meldungen, die auf ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges hindeuten. Wöchentlich kommt es zu Anschlägen und militärischen Auseinandersetzungen. Konfliktparteien sind der Staat Sri Lanka und die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam, frei übersetzt „Befreiungstiger für ein Tamilisches Sri Lanka“). Diese allgemein als Tamil Tigers bekannte Organisation kämpft für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel. Im Frühjahr 2006 stufte die EU die Tigers als terroristische Vereinigung ein und stoppte deren materielle Unterstützung.
Nachdem Sri Lanka am 4.2.1948 (Nationalfeiertag) unabhängig wurde, kam es recht bald schon zu Diskriminierungen der tamilischen Minderheit (Sprache, Bildungsfragen, Religion). Diese wurden unter anderem damit begründet, dass während der Kolonialzeit überdurchschnittlich viele Tamilen Ämter in der Verwaltung einnahmen. Generell gibt es aber auch den Mythos, die Singhalesen seien das von Buddha auserwählte Volk und Sri Lanka für sie bestimmt.
Mittlerweile ist von einer Benachteiligung der Tamilen im öffentlichen Leben kaum noch etwas zu spüren. So war beispielsweise der im August 2005 ermordete Außenminister Shri Lankas selbst Tamile. Es geht also, sollte man denken…
Allerdings sind momentan beide Seiten nicht zum Einlenken bereitet und überhäufen die andere Seite mit Vorwürfen. Die Menschen im Land dagegen haben andere Probleme, speziell nach dem Tsunami.
Wie steht es mit der Sicherheit im Land?
Anschläge gibt es vor allem in den Gebieten, die von den Tamil Tigers beansprucht werden, also weit nördlich von Colombo und im Osten der Insel.
Dort kommen aber auch nur Abenteuertouristen hin.
Auch wurden insbesondere ranghohe Militärs und Politiker in Colombo und Umgebung Ziele von Selbstmordanschlägen. Den letzten Angriff auf den Flughafen gab es im Jahr 2001. Hier gelten mittlerweile strenge Bewachung und Sicherheitsvorkehrungen.
In den südlich von Colombo gelegenen Tourismuszentren ist die Lage dagegen entspannt und ruhig, auch in Zeiten als der Bürgerkrieg auf dem Höhepunkt war, gab es dort keine Probleme. Touristen sind nicht das Ziel der LTTE, wohl auch, um nicht die Unterstützung aus dem Ausland zu verlieren. In der Vergangenheit waren jedoch wenige Anschläge auf touristische Highlights zu verzeichnen, der spektakulärste erfolgte 1998 auf dem Vorplatz des Zahntempels in Kandy.
Zusammenfassung: Obwohl die Lage im Land gespannt ist, besteht für Touristen nicht mehr Gefahr als mittlerweile fast überall in der Welt, denken wir nur an Bombenanschläge auf Djerba, Bali, in Barcelona, London und der Türkei. Insbesondere an den Stränden im Süden
war es bisher stets friedlich, toi, toi, toi…
Abzuraten ist momentan von Reisen in die klassischen Tamilengebiete, also die Nordprovinzen sowie die Ostküste. Auch würde ich persönlich derzeit Demonstrationen, Prozessionen u.ä. meiden, da hier zusätzlich noch die Gefahr von Straßenkämpfen rivalisierender Parteien besteht. Politische Kundgebungen gehören eh nicht zum Urlaubsprogramm und dem Pulk des Regierungschefs fahren Sie bitte auch nicht hinterher J
Soll man in einem solchen Land Urlaub machen? Hier gehen die Meinungen auseinander, ich bin Sri Lanka seit 2001 treu geblieben(übrigens begann damals der Waffenstillstand, der immerhin 4 Jahre währte) und habe es nicht bereut.
In meinem Hotel „Wilde Ananas“ arbeiten 6 Angestellte, deren Familien fast ausschließlich von ihrem Gehalt abhängen.
Da die „kleinen Leute“ sowieso kaum Steuern zahlen, habe ich wohl auch die Kriegskasse Sri Lankas nicht gefüllt.
Meine Einschätzung: wie z.B. im nahen Osten wird der Konflikt so oder so noch eine Weile andauern. Auch wenn der Tourismus ausbliebe, wären die Hardliner davon wenig zu beeindrucken. Den Schaden hätten vor allem viele kleine Hotels und Geschäfte, die vom Auslandstourismus leben.
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