Sri Lankas größtes buddhistische Fest findet immer um den Vollmond Ende April/Anfang Mai
statt. In diesem Jahr ist am 2.Mai (2007) Vollmond. Gedacht wird der Geburt, Erleuchtung und dem Tod Buddhas.
Sri Lanka Vesak-Vollmondfestival
Wenige Wochen nach dem Neujahrsfest findet in Sri Lanka ein weiteres
Top-Event statt: das so genannte Vesak-Vollmondfestival. Vesak ist dabei
die Bezeichnung für den zweiten Monat
des singhalesischen Kalenders. Neujahr ist im April, der erste Monat heißt auf
singhalesisch Bak, der zweite eben Vesak. Der weitere Name ist selbsterklärend:
das Fest findet am Vollmondtag des Monats Vesak statt. Nun gibt es ja monatlich
einen Vollmond-Tag, in Sri Lanka Poya Day genannt. Aber der Vesak-Poya hat es
in sich und für die Buddhisten ist es das wichtigste religiöse Fest des Jahres.
Der Grund dafür liegt darin, dass an diesem Tag im Mai Buddha
1. 623 v.u.Z. geboren wurde,
2. 588 v.u.Z. die Erleuchtung
erfahren hat und
3. 543 v.u.Z. dahin geschieden ist.

Dies leitet sich aus alten buddhistischen Schriften ab und ist
unumstritten.
Für die singhalesischen Buddhisten aber hat dieser Tag auch eine
nationale Bedeutung und ist immens wichtig für die singhalesische (nicht
gesamt-srilankische) Identität.
Die Begründung: Ebenfalls an diesem Vesak-Vollmondtag soll der Stammvater
der Singhalesen, der nordindische (arische) Prinz Vijaya mit 700 Gefolgsleuten
auf der Insel gelandet sein und zwar genau an dem Tag, an dem Buddha starb.
Nun mag man sich ob der vielen Ereignisse an diesem Tag doch etwas
wundern!
Und auch die Landung des verstoßenen Prinzen (er soll ein ziemliches Raubein
gewesen sein) war im singhalesischen Selbstverständnis nicht zufällig. Buddha
selbst soll auf dem Sterbebett gesagt haben: „ In Lanka, Oh Herr der Götter,
wird meine Religion ihre Heimstatt finden, deshalb schützt ihn (Vijaya) und
seine Anhänger nach Kräften“.
Allerdings findet sich in der Schrift, die die letzten Worte Buddhas
überliefert, keine solche Aussage. Hier scheinen die singhalesischen
Geschichtsschreiber sehr kreativ und mit viel Nationalgefühl an die Ereignisse
herangegangen sein.
Übrigens: die entscheidende Chronik der Singhalesen ist die Mahavamsa.
Viele sehen sie als eine Wurzel für nationalistisches, antitamilisches
Gedankengut.
Warum ? Vereinfacht gesagt: Die Singhalesen waren nicht nur die ersten in
Tambapanni (dem bronzefarbenen Land- historischer Name für Sri Lanka), sondern
sie waren von Buddha auserwählt, hier seine „Religion“ (Anm.: Buddhismus als
Religion zu verstehen halte ich für falsch)zu bewahren und zu schützen,
insbesondere natürlich vor anderen Religionen wie dem Hinduismus. Ich will das
hier nicht weiter ausführen, möchte aber nur daran erinnern, dass „auserwählte“
Völker oftmals einen Hang zur Intoleranz haben und damit Konflikte
herausfordern.
Was passiert nun am Vesak-Fest? Traditionell werden am Vollmondtag selbst vor allem religiöse Rituale
abgehalten. Die Buddhisten üben sich dabei speziell in 3 Praktiken, die auf dem
Weg zur Erleuchtung unerlässlich sind und das Verlangen nach weltlichen Dingen
reduzieren sollen.
Das erste Ritual dazu ist DANA. Dana bedeutet nichts anderes als Geben.
In Sri Lanka ist es üblich, an Vesak vor allem Speisen und Kleidung zu spenden,
also weg-zu-GEBEN. Gespendet wird an Mönche und an Arme und Bedürftige. Auf den
Straßen wird man während dieses Festes viele kleine Stände finden, wo kostenlos
Getränke und Essen verteilt werden. Ebenso werden größere Zelte („dan sael“) zu
diesem Zweck aufgebaut. Neben den genannten Sachen werden aber auch Blumen und
Blut gespendet. Gerade die Blutspende wird als am wertvollsten angesehen. Nein,
nicht ganz richtig. Noch wertvoller ist die Weitergabe der Lehren des Buddhas.
Zu diesem Zweck werden an diesem Tag viele kleine Büchlein verteilt.
Als zweites werden an diesem Vollmondtag vielen Menschen in weißen
Kleidern zum Tempel gehen, um SIL, bestimmte Regeln, zu praktizieren. Es gibt
5, 8 oder 10 dieser Regeln, deren Befolgung auf dem spirituellen Weg
unerlässlich ist. Darunter natürlich Verhaltenweisen, die Allgemeingut der
Menschheit sein sollten wie nicht töten, verletzen, lügen, stehlen, fremdgehen
usw.usf. Während des Poya-Days werden Laien also zum Tempel gehen und
meditieren/beten, die dritte wichtige Übung an diesem Tag. Ab Mittag gibt es
keine festen Speisen mehr. Üblicherweise dauert diese Fastenzeit bis zum
nächsten Morgen, logischerweise ist auch nix mit Sex. Zurück zur Meditation,
BHAVANA genannt.
Ohne Kontrolle über seinen Geist zu erlangen, ohne seine Gedanken und
Gefühle zu reinigen, ist die Befreiung vom Zyklus von Geburt und Wiedergeburt
unmöglich. Angeleitet von den Mönchen im Tempel werden sich in verschieden
Meditationstechniken ausgeübt.
Am bekanntesten sind die Technik des Anapana –Konzentration auf die
Atmung- und die des Metta –Konzentration auf liebevolles Mitgefühl mit
Familien, Freunden, Notleidenden oder der gesamten Menschheit. „May all beings be happy!“
Das Vesak-Festival ist auch ein Festival des Lichts, der Erleuchtung.
Überall werden Lampen und Lampions verschiedener Größen und Gestalt aufgehängt.
In jeder Familie werden die Öllampen angezündet. Die einfachste soll übrigens
die Hälfte einer Papayafrucht sein, die mit Öl gefüllt und einem Docht bestückt
wird. All die Lichter „geben Sri Lanka einen helllichten Schein“ (das kommt uns
doch irgendwie bekannt vor).
In Tempeln ist es mitunter üblich, 84.000 !!! Öllämpchen zu entfachen,
denn die Lehre Buddhas hat 84.000 Strophen.
Bei meinem Besuch in Sri Lanka 2006 durfte ich ein weiteres Highlight von
Wesak bestaunen: ein vesak pandal. Hierbei handelt es sich um ein
überdimensionales Bild, eigentlich erinnert es mehr an ein Karussell mit seinem
riesigen Ausmaß von mehreren Metern in Breite und Höhe, hunderten blinkenden
Birnen, bunter Bemalung und auch beweglichen Teilen. Die Bemalung stellt meist
Szenen aus dem Leben Buddhas dar.
Das ganze Dorf hatte sich um das Pandal versammelt und bestaunte sein
Blinken, Leuchten und auch die Töne, die es von sich gab.
Diese Pandals oder auch so genannte Vesak Kudus, riesige Lampions, werden
schon Monate im Voraus gebaut. Diese Tradition reiht sich ein in vielfältige
andere volks-künstlerische Aktivitäten wie Malerei, Gesang, Tanz und Dichtung.
Diese werden speziell am Tag nach der Vollmondnacht ausgeübt.
Besondere Mühe macht man sich mit den Vesak-Karten (analog unserem
Weihnachtsgruß).
Sie ist das wichtigste Medium, um seinen poetischen Phantasien freien
Lauf zu lassen.
Mit einem solchen Wesak-Gruß soll mein Text über das größte buddhistische Fest Sri Lankas enden:
„Der Vollmond scheint in der Pracht dieses dreifach gesegneten Tages,
Lieder zu Buddhas Ehren werden gesungen, die Blätter des Bodhibaums wiegen sich, als Gabe für den Gott werden
überall Lampen entzündet, viel Glück,
Gesundheit und Erfolg wünsche ich Dir mehr und mehr.“ ( Quelle: Disanayaka,
Vesak Fullmoon Festival)
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